In Erinnerung an die rassistischen Morde in Schwandorf vor 31 Jahren


In der Nacht vom 17. Dezember 1988 fand ein rassistischer Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Schwandorf statt. Bei dem Anschlag kamen vier Menschen ums Leben: Der Arbeiter Osman Can, seine Ehefrau Fatma, ihr Sohn Mehmet und der Akustiker Jürgen Hübener.
Diese Menschen wurden von Josef Saller, einem Mitglied der faschistischen Organisation „Nationalistische Front“ (NF), umgebracht. Vor Gericht sagte der damals 19-jährige Täter: „Ich hasse Ausländer.“ Er war ein Faschist, der unter anderem bereits an Übergriffen auf Punks, AtomkraftgegnerInnen und Menschen mit Behinderung beteiligt gewesen war. Er verteilte auch antikommunistische Flugblätter („Kommunismus = Massenmord“).1 Diese Beispiele verdeutlichen die Gefahren von faschistischen Organisationen damals wie heute. Sie sind eine konkrete Bedrohung für alle Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen. Darüber hinaus sind sie die Feinde jeder fortschrittlichen Bewegung. Ob damals in der Anti-AKW-Bewegung oder heute in der Bewegung gegen den Klimawandel.

Die Morde von Schwandorf sind ein Beispiel dafür, dass es bereits vor der Einverleibung der DDR durch der BRD regelmäßig faschistische Mordanschläge in Deutschland gab. In den 90er Jahren stieg der rechte Terror jedoch nochmal massiv an. Organisationen wie die NF nutzten die Lage in den neuen Bundesländern, um dort mit lokalen Nazikadern zusammen faschistische Organisationen aufzubauen. In Krisenzeiten bekommen solche Organisationen aus unterschiedlichen Gründen Aufwind. Sie versprechen eine Stabilisierung oder Verbesserung der eigenen Position mittels der Herabsetzung von anderen Lohnabhängigen (MigrantInnen, Frauen, Homosexuelle etc.). Für viele BürgerInnen der ehemaligen DDR waren die Jahre nach der Einverleibung definitiv eine große Krisenzeit und die Linke schaffte es nicht eine sozialistische Perspektive anzubieten.

Seit Jahren befindet sich die Rechte mal wieder im Aufwind und auch die faschistischen Gewalttaten nehmen zu. Im Juli diesen Jahres beteiligten wir uns an einer Mobilisierung nach Schwandorf, weil sich dort wieder – beziehungsweise immer noch – FaschistInnen organisieren.2 Die sogenannte Prollcrew machte sich bemerkbar durch Übergriffe, Teilnahme an bundesweiten Naziaufmärschen und auch Kontakten zu Combat18. Ähnliches passiert an vielen Orten in Deutschland.

Für uns bedeutet das, dass wir den antifaschistischen Selbstschutz organisieren müssen und den Rechtsruck auf allen Ebenen bekämpfen. Wir müssen die FaschistInnen aus der Deckung holen, und verhindern, dass sie Strukturen aufbauen. Bestehende Nazi-Strukturen müssen angegriffen werden. Wir sollten uns auch vergegenwärtigen, dass alle militanten Nazis mal klein angefangen haben. Jede alltägliche Praxis gegen Nazi-Strukturen und gegen den Rechtsruck kann Auswirkungen darauf haben, dass faschistischer Gewalt vorgebeugt wird.

Kein Vergeben, Kein Vergessen!

Falls ihr in der Gegend von Schwandorf wohnt und etwas gegen Faschos tun wollt schaut doch mal bei der Sozialrevolutionäre Aktion vorbei!

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